Jonathan Scheiner Texte & Musik

16Mrz/11Off

Gotan Project im DeutschlandRadio

Tango und seine jüdischen Wurzeln

Die argentinische Band "Gotan-Project"

DeutschlandRadio Kultur, 21.5.2010



Unter Tango stellen sich die meisten eng umschlungene Paare im erotischen Wiegeschritt vor. Doch seit das Gotan Project diese Musik mit elektronischen Beats gemischt hat, wird auch auf den Dancefloors der europäischen Clubs Tango getanzt.

 

Der Name Gotan Project ist ein Wortspiel wie es ganz üblich ist für Argentinien. Umgedreht bedeutet Gotan nämlich nichts anderes als Tango. Die argentinische Nationalmusik wurde vor rund zehn Jahren von drei Männern mit elektronischer Musik und tanzbaren Beats vermischt. Dadurch wurde ein ganz neues Genre geschaffen: der Tango Eléctrico. Diese Musik hat sich bald wie ein Virus über die Tanzflächen in der nördlichen Hemisphäre verbreitet. Vor kurzem ist nun das dritte Album der Band erschienen. Es trägt den simplen Namen Tango 3.0.

Die drei Gründer des Gotan Projects stammen aus ganz unterschiedlichen Himmelsrichtungen. Philippe Cohen Solal lebt in Paris, Eduardo Makaroff in Buenos Aires und Christoph Müller kommt aus der Schweiz. Und doch haben die drei Männer gemeinsame Wurzeln, die sich nicht nur auf die Liebe zum Tango beschränken. Die sefardischen Vorfahren Cohen Solals haben im Mittelalter noch auf Mallorca gelebt und sind dann irgendwann in Frankreich gestrandet. Und Eduardo Makaroffs aschkenasische Großeltern stammen aus Kiew und Odessa. Sie waren wie viele andere jüdische Einwanderer vor Hunger und Pogromen nach Argentinien geflohen. Eduardo Makaroff erzählt, dass es einst sogar die zionistische Idee gab, Israel dort in der fernen Pampa zu gründen. Es habe viele "Gauchos judíos", also jüdische Gauchos, gegeben, die - wie die US-amerikanischen Cowboys - als Kuhhirten gelebt haben.

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Argentinien ist ein Einwanderungsland. Viele Juden aus Osteuropa kamen hierher. Das moderne Argentinien ist das Resultat der italienischen, spanischen, europäischen und jüdischen Immigration. Die jüdische Gemeinde ist sehr bedeutend in Argentinien. Es ist die zweit- oder drittgrößte in der Welt, glaube ich. Der Tango ist sehr jüdisch, das Feeling von Tango ist dem des Klesmer und des jiddischen Liedes sehr ähnlich. In den Anfangszeiten wurde Tango noch mit der Klarinette gespielt und nicht wie heutzutage meist mit dem Bandoneon. Trotzdem gibt es manchmal auch heute noch die Klarinette im Tango. Und auch die Geige haben die osteuropäischen Juden mit in den Tango mitgebracht."

Einer der Studiomusiker auf dem Album ist tatsächlich ein direkter Nachfahre einer dieser Gauchos judíos, nämlich der Pianist Gustavo Beytelmann. Auch Beytelmann lebt in Paris, wohin viele argentinische Intellektuelle während der Militärdiktatur Perons geflohen waren. Dazu zählt auch der Schriftsteller Júlio Cortazar, dessen Roman "La Rayuela" Weltruhm genießt. "Rayuela", das ist eigentlich ein Kinderspiel, das auf deutsch "Himmel und Hölle" heißt oder auch Hickepeter.

 

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/ausderjuedischenwelt/1188145/

 

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14Mrz/11Off

Clare Burson – Back to Leipzig

Singer/Songwriterinnen: Das sind seit Joan Baez junge sendungsbewusste Frauen, bewaffnet mit nichts als der Gitarre. Das Strickmuster ihrer Lieder ist so schnell durchschaut wie die sich wiederholenden Gefühlsbefindlichkeiten. Auch das Debüt- Album Silver and Ash der Amerikanerin Clare Burson scheint zunächst dem Girl-mit-Gitarre-Schema zu entsprechen, zuweilen erweitert zu einer IndieRock-Band mit Gastmusikern wie dem Gitarristen Mark Spencer, Andy Cotton am Bass oder Tony Leone am Schlagzeug. Gut gemacht, aber musikalisch nicht mehr als die übliche Mustermädchenmusik.

Wären da nicht die Texte. In dem Titel Everything’s Gone etwa skizziert Burson mit wenigen Worten eine heile Welt: Vater mit Baby im Wohnzimmer, die Mutter macht den Abwasch, und das Radio läuft. »Alles ist vorüber, aber wir sind immer noch hier.« Das klingt zunächst banal, ein wenig mysteriös vielleicht. Doch diese Szene spielt Ende der 30er-Jahre in Deutschland, und die Familie in dem Song ist jüdisch. Es ist die Familie von Clare Bursons Großmutter. Um sie und ihr Schicksal geht es in jedem der Verse.

Clare Bursons Großmutter lebte mit ihren Eltern in der Thomasiusstraße in Leipzig und kam gerade noch davon. Am Morgen des 9. November 1938 – nur wenige Stunden vor dem Beginn des Pogroms – verließ die damals 19-Jährige zusammen mit ihrem ein Jahr jüngeren Bruder Axel die Messestadt Richtung Hamburg, von wo sie nach London fuhren. Das Cover der CD zeigt das rettende Schiff, das die Geschwister aus England in die USA brachte.

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/9875 Seite 1 von 4Jüdische Allgemeine / KULTUR / Musik - Back to Leipzig

 

Jüdische Allgemeine, 11.3.2011

 

 

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14Mrz/11Off

Shkoyach! mit Max Doehlemann

»Shkoyach« rufen sich die Gläubigen in der Synagoge zu, wenn sie sich Kraft wünschen oder auch Glück. Aber wo der Begriff ursprünglich herkommt und was genau damit gemeint ist, ist unklar. Klar ist dagegen, dass der Begriff gut zu einer Reihe im Grünen Salon in der Berliner Volksbühne passt. Dort findet einmal im Monat ein jüdischer Salon statt – mit Jazz und Klesmer, mit Gedichten und klassischen Rezitalen, mit hebräischen Liedern und israelischen Schlagern: Ein Kessel Buntes.

Organisiert wird der Salon von Max Doehlemann, seines Zeichens Pianist und Komponist. Doehlemann führt durch den Abend, spielt mit seinem Jazztrio oder als Solist klassischer Klavierwerke. »Ich fand den Titel ›Shkoyach‹ lustiger als zum Beispiel das abgedroschene ›L’Chaim‹. Für mich ist der Salon eine gute Möglichkeit, meinen Kram unkompliziert an den Mann zu bringen«, untertreibt der Musiker. Denn Doehlemann und seine illustren Gäste haben alles andere, nur keinen »Kram« oder gar Ladenhüter zu bieten.

 

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/9881

 

Jüdische Allgemeine, 11.3.2011

 

 

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8Mrz/11Off

Ganef-Feature D-Radio

 

Manuskript Ganef

 

Autor: Jonathan Scheiner

Sprecher Text: Jonathan Scheiner

Länge: ca. 4 Minuten

Redaktion: DeutschlandRadio

Aus der jüdischen Welt, Mirjam Reusch-Helfrich

 

Anmod:

Ganef singt Lieder, die direkt aus dem Leben kommen und die mitten ins Herz treffen.

Seine Lieder handeln von einsamen Wölfen und habgierigen Frauen, von nächtlichen Überfällen, von Schurken und Gaunern.

Ganef kam einst aus der Ukraine nach Deutschland, wo er inzwischen heimisch geworden ist.

Der Barde singt auf deutsch, doch er denkt russisch – nur sein Glaube, der ist jüdisch geblieben.

 

Musik 1: Drache 00:08-00:32 (dann 5 sec abblenden)

 

Autor-Text 1:

Der Mann, der hier in holperigen Versen von den kleinen Katastrophen seines Alltags singt, das ist Ganef. Der Mann mit Gitarre kommt ursprünglich aus Odessa. Sein Markenzeichen: ein püschliger Schnauzbart, eine Fluppe zwischen den Lippen und eine tief ins Gesicht gezogene Schiebermütze. Dieses Image passt gut zu seinem Namen: Denn Ganef ist das jiddische Wort für Ganove.

 

 

Musik 2: An der Spree 00:42-00:54 (je kurz auf- und abblenden)

 

Autor-Text 2:

Ganef kam 1993 als sogenannter Kontingentflüchtling aus der Ukraine nach Berlin. Dort hat er schnell Anschluss gefunden an die boomende jüdische Musikszene. Und trotzdem ist er bald ins hessische Offenbach weitergezogen. Das klingt nach Exil und Verbannung, doch hat einen ganz simplen Hintergrund. Ganefs Frau, eine Israelin aus Haifa, besitzt dort in der hessischen Provinz ein Hotel.

 

O-Ton 1:

Mir ging es eigentlich ganz gut in Odessa. Ich habe nie meinem Vater sagen dürfen, was ich verdiene, weil der hatte damals zwei Jobs und hat wahrscheinlich ein Drittel von dem nach Hause gebracht, von dem was ich verdient habe. Das war mir einfach peinlich. Er hat hart gearbeitet. Ich hab damals Geschäfte gemacht, das waren keine krummen Geschäfte. Oder sagen wir so, nicht wirklich kriminelle Geschäfte, Kleinigkeiten und außerdem Karateunterricht betrieben. Davon konnte ich gut leben.

 

Autor-Text 3:

Seinen jiddischen Bühnen-Namen hat sich Ganef, der seinen richtigen Namen nur hinter vorgehaltener Hand verrät, nicht ganz zufällig ausgesucht. Jüdischkeit spielt zwar nicht in den Songs, dafür aber im Leben des Musikers eine entscheidende Rolle.

 

O-Ton 2:

Ich halte Schabbat jeden Tag ein und nicht nur am Freitag. Für mich bedeutet Schabbat nicht die ganzen Regeln zu befolgen, sondern das hat eine ganz andere Bedeutung für mich. Man sieht seine Taten an und analysiert das........Man nimmt sich Zeit, zu überlegen, sein Leben zu bewerten, man nimmt sich Zeit für seine Familie. Das bedeutet für mich Schabbat.

Ich geh auch ab und zu in die Synagoge. Ich bin ein tiefgläubiger Mensch, aber absolut antireligiös. Den Glauben kann man sich nicht aussuchen.

 

 

Autor-Text 4:

Seinen Glauben vielleicht nicht, aber ganz gewiss kann man sich seine musikalischen Vorbilder aussuchen. Den russischen Liedermacher Alexander Rozenbaum zum Beispiel oder Bob Dylan. Dessen Vorfahren stammen, sagt Ganef stolz, genauso wie er ursprünglich aus Odessa. Und auch mit einem anderen Schwergewicht der Pop-Musik hat Ganef zu tun: Mit Serge Gainsbourg alias Lucien Ginzburg. Der Großherzog von Hessen-Darmstadt, Ernst-Ludwig der III., habe vor rund 100 Jahren einen gewissen Horatius Ginzburg, einen Ahnen von Gainsbourg, in den Adelstand eines Barons versetzt. Und auch sein Großvater habe diesen für russische Juden überaus seltenen Titel damals verliehen bekommen. Aber vielleicht ist das mal wieder nur so eine Anekdote, wie sie gerne mal in den Songs von Ganef auftaucht.

 

Musik 3: Überfall, 00:15-00:30 fade out

 

Jonathan Scheiner, Eisenacherstr.  50, 10823 Berlin. T: 030-44048760 oder 030-2910791 (+AB). jonathan.scheiner@snafu.de

www.jonathan-scheiner.de.

Kto: 391363900; Blz: 100.700.00; Deutsche Bank, Berlin

 

 

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7Mrz/11Off

Mike Posner im Postbahnhof

Mike Posner im Postbahnhof (Jüdische Allgemeine 3.3.2011)

 

Er sieht nicht nur aus, wie der nette Junge von nebenan. Er ist es auch. Mike Posner, 1988 in Detroit geborener Sohn eines jüdischen Anwalts hat als Student   an Computer und Keyboards seine ersten Songs zusammengefrickelt, Mischungen aus Hiphop und R&B. Die kamen in den Clubs, in denen er nachts neben dem Studium auftrat, so gut an, dass Posner einen Plattenvertrag bekam und 2010 sein Debüt 31 Minutes to Takeoff veröffentlichte. Die Singleauskopplung Cooler Than Me schaffte es auf den sechsten Platz der Charts. Inzwischen ist Posner schon so populär, dass er im Fernsehen Rede und Antwort stehen musste, ob er »nur ein Freund« oder mehr von Selena Gomez sei, die laut BRAVO mit Justin Bieber liiert ist.

Jetzt ist der 23-Jährige auf »Grand Tour« durch das alte Europa. Auf dem  Reiseplan stehen Paris, London und an diesem Freitag, den 4. März, Berlin,  Dort wird passieren, was immer geschieht, wenn Posner auftritt: Eine hormon-geschwellte Menge Jugendlicher hüpft und singt, kreischende Teenies schwenken flimmernde Handys hin und her. Und als Höhepunkt, noch bevor Posner seinen durchtrainierten Oberkörper entblößt, stürmt ein weiblicher Fan auf die Bühne, darf kurz mit dem Sänger kuscheln und bekommt als Zugabe einen großen Teddybären mit auf den Nachhauseweg.

Für uns Menschen jenseits der 30 (von der Generation der Posner-Fans »Gammelfleisch« oder »scheintot« genannt), ist diese Hysterie unbegreiflich, zumal, wenn man sich auf Youtube Videos des Musikers anschaut und -hört: Seine Songs haben unteres Ballermann-Niveau. Am ehesten geht noch Cooler Than Me, eine Art Ohrwurm. Meine pubertierende Tochter findet den Song »voll krass«.

 

 

 

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/9825

 

 

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4Mrz/11Off

Referenzen

Aachener Zeitung, Aufbau (New York), Appelt Media Service,

Berliner Morgenpost, Badische Zeitung, Braunschweiger Zeitung,

Comixene, Concerti,

DeutschlandRadio Kultur, Die Rheinpfalz, Das Orchester,

Frankfurter Allgemeine Zeitung,

General Anzeiger,

Hannoversche Allgemeine,

Jüdische Allgemeine,

Kieler Nachrichten, Kulturradio vom rbb,

Leipziger Volkszeitung, Lübecker Nachrichten, L-Design Lola Güldenberg,

Märkische Allgemeine, Mitteldeutsche Zeitung,

Neue Osnabrücker Ztg, NDR Kultur, Neue Westfälische, Neue Zeitschrift für Musik, Nordkurier, Nordwest Ztg,

Ostsee Zeitung,

Rhein-Neckar Zeitung, Ruppiner Anzeiger,

Schwäbische Zeitung, Südkurier, Südwest Presse, Saarbrücker Zeitung, Schweriner Zeitung, Stadt und Land,

Tagesspiegel, taz, Thüringer Allgemeine, Trierischer Volksfreund,

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, WDR 3,

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