Jonathan Scheiner Texte & Musik

15Jun/11Off

Asaf Avidan & The Mojos am 9.5. im Frannz Club Berlin


Das furiose Ende ihrer anderthalbmonatigen Tour haben Asaf Avidan & The Mojos in Berlin gefeiert. Aber was heißt hier eigentlich »gefeiert«? Wenn man sich nur dieses eine scheinbar unendlich kraftraubende Konzert der Band vor Augen führt, dann versteht man, warum der Schlagzeuger Yoni Sheleg vor Entkräftung noch vor der ersten Zugabe die Drumsticks hinter sich geworfen hat und rennend backstage abgetaucht ist. Diese fünf Musiker waren physisch schlicht am Ende. Trotzdem gab es dann noch ein paar krachende Zugaben, bei denen Asaf Avidan wie ein Berserker auf seiner Gitarre schrammelte und sich die Seele aus dem Leib schrie. Mädchenmusik klingt beileibe anders!

Auf der Tour hat die Band aus Tel Aviv ihr neues Album »Poor Boy Lucky Man« vorgestellt, das in Israel schon seit geraumer Zeit auf dem Markt ist. Im Zentrum der 14 Songs stehen noch immer die Duelle zwischen Bass und zwei Gitarren. Doch im Gegensatz zum Vorgängeralbum »Reckoning« folgen hier oft ruhige, von der Cellistin Hadas Kleinman gespielte Passagen auf  brachialen Gitarren-Rock. Und über allem, in geradezu luftiger Höhe, kreist die giftige Falsett-Stimme von Asaf Avidan, der den Vergleich zum Led Zeppelin-Sänger Robert Plant oder auch Janis Joplin nicht zu scheuen braucht. Das ist in Sachen Rock ‚n’ Roll der schärfste Export-Artikel, den Israel derzeit zu bieten hat. Man fragt sich nur, wie lange die fünf Musiker ihr kraftraubendes Tempo noch durchhalten werden: Ein Leben wie eine von zwei Seiten brennende Fackel.

 

 

 

 

veröffentlicht unter: Musikbeilage, Uncategorized keine Kommentare