Jonathan Scheiner Texte & Musik

26Nov/11Off

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14Nov/11Off

Yemen Blues im DeutschlandRadio Kultur, 28.10.2011

Wilder Multikultimix

Die jüdisch-arabisch-afrikanische Musik von Yemen Blues

Jüdische Musik, die zugleich arabisch und afrikanisch klingt - für die Macher von Yemen Blues ist das kein Widerspruch. Mittlerweile ist ihr Debütalbum erschienen und die Band kommt im November für drei Konzerte nach Deutschland.

Wie jemenitische Musik klingt, das werden die wenigsten genau wissen. Hierzulande kennt man höchstens Ofra Haza, die mit "Im Nin'Alu" in den 80er-Jahren einen Welthit hatte. Dabei hat jementische Musik ganz unterschiedliche Facetten. Das zeigt auch die Musik der Band Yemen Blues. Da ist westafrikanischer Blues ebenso zu hören wie Musik aus der Sahara. Gnawi oder die Lieder der Tuareg kommen ebenso vor wie amerikanischer Funk oder Jazz.

Gegründet wurde die Band vor rund zwei Jahren von dem Jazzbassisten Omer Avital und dem charismatischen Sänger Ravid Kahalani. Beide Musiker haben jemenitische Wurzeln. Ihre Familien kamen in den 50er-Jahren aus der Nähe von Sanaa nach Israel. Omer Avital hat sich in der New Yorker Jazzszene einen Namen gemacht. Dort betreibt er ein Quintett, von dem schon zwei CDs erschienen sind.

Und der Sänger Ravid Kahalani sang schon als Kind in der Synagoge. Später hat er vor allem Blues und westafrikanischen Soul gemacht, bevor er die Band Yemen Blues startete:

"Der ganze Prozess begann vor zwei Jahren. Ich sagte Omer, dass ich zwei neue Songs geschrieben habe, lass uns etwas damit anstellen. Er lebte in New York und ich in Tel Aviv, also trafen wir uns nicht sehr oft. Aber wenn doch, dann haben wir zusammen gejammt. Am Anfang gab es nur Oud und Percussion und ein wenig Piano. Es war wie Magie. Irgendetwas passierte da. Ich fühlte, dass ich wirklich tief in die Musik eindrang, ohne dass ich darüber nachdachte, was ich tat."

Die Songs werden in jemenitischem Arabisch gesungen. Komponiert wurden sie allerdings in Englisch und Hebräisch. Ravid Kahalani hat für die korrekte Übersetzung die Hilfe seines Vaters in Anspruch nehmen müssen. In der Sprache seiner Ahnen zu singen sei für den Sänger deshalb so wichtig, weil er dadurch seinen Wurzeln näher komme.

Er sagt, dass die jementische Kultur alles andere als anerkannt wurde, als er ein Kind war. Daran habe sich auch heute nichts geändert. Der Mainstream in Israel sei nun mal die aschkenasisch-europäische Kultur:

"Es ist mir sehr wichtig zu erwähnen, dass es Teil der Arbeit bei Yemen Blues ist, dass wir alle gleichberechtigt sind. Nachdem ich Omer Avital angerufen hatte, riefen wir Itamar Droari, Roni Ivraim, Hilla Epstein, Hadar Noiberg und all die anderen Bandmitglieder an. Und dann saßen wir in einem Raum und kreierten die Musik gemeinsam. So war jeder Musiker Teil der Arrangements, der Songs und des Sounds."

So wirkt die Musik von Yemen Blues geradezu wie ein Spiegel der multikulturellen Gesellschaft Israels. Wie sich dieser Mix aus jüdischer, arabischer und afrikanischer Musik anhört, das kann man sich auch auf dem Debütalbum anhören. Es trägt den schlichten Titel "Yemen Blues".

Service:
Am 6.11.2011 spielt die Band Yemen Blues in Berlin, am 7.11. in Bremen und am 8.11. in Dresden.

 

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/ausderjuedischenwelt/1590688/

 

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14Nov/11Off

Anoushka Shankar

Indischer Flamenco

 

Beim Gedanken an das Crossover von klassischer indischer Musik und Flamenco zuckt man schon beinahe reflexartig zusammen, ist man doch in der Vergangenheit überschüttet worden von fehlgeschlagenen Vermischungen wesensfremder Musikwelten. Doch keine Angst: Ausnahmsweise passt’s vorzüglich zusammen.  Auf Anoushka Shankars Album „Traveller“ machen indische Musiker mit spanischen Flamenco-Virtuosen gemeinsame Sache. Der Grund für das Gelingen: Die spanischen Gypsies (Gitanos), deren Hausmusik der Flamenco ist, wanderten einst aus dem indischen Pundjab nach West-Europa ein, ihre Musik mit im Gepäck. Flamenco hat also auch indische Wurzeln, die nur darauf warteten, bloßgelegt zu werden.

Gewagt hat das Crossover-Experiment die Sitar-Spielerin Anoushkar Shankar, ihres Zeichens Tochter des indischen Sitar-Meisters Ravi Shankar und Halbschwester der Jazz-Diva Norah Jones. Anoushka Shankar ist nicht nur eine begnadete Sitarspielerin, die mit ihrem Instrument in der klassischen indischen Musik ebenso brilliert wie im Flamenco-Idiom. Sie ist außerdem eine kluge Arrangeurin: Sie weiß, welche Musiker sie einladen muss, um ihre musikalische Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Bei ihrem letzten Album „Breathing Under Water“ war es Sting, der mitwirkte. Bei dem aktuellen Album „Traveller“ sind es der Flamenco-Produzent Javier Limón und die schwarze Flamenco-Sängerin Buika, die beide zu den besten ihres Fachs zählen. Entstanden ist ein wahnwitziges und zugleich herausragendes Album, das – auch das kann bei so viel Virtuosität nicht mehr verwundern – beim altehrwürdigen Klassik-Label Deutsche Grammophon erschienen ist.

 

 

Anoushka Shankar: Traveller. Deutsche Grammophon 2011.

 

 

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