Jonathan Scheiner Texte & Musik

30Apr/13Off

Die Farben des Staubs – Ayal Adlers “Notenwirbel” beim Intonations-Festival, Tsp

 

 

Viel verraten will Ayal Adler nicht über seine Auftragskomposition. Nur so viel: Es werde sehr “intensiv”. Das viertelstündige Werk “Colors of Dust” beginnt mit einer Art Staubwirbel, der sich gegen Ende allmählich wieder legt: “Das Stück ist als eine einzige große Bewegung angelegt, die in verschiedene Sektionen unterteilt ist. Der Titel ist sehr interessant, weil Staub eigentlich gar keine bestimmte Farbe hat”.

Ayal Adler, 1968 in Jerusalem geboren, sieht sein Auftragswerk für das diesjährige Intonations-Festival als Fortsetzung eines Stücks, das er vor drei Jahren komponiert und für die selben Instrumente eingerichtet hat, für Klarinette, Flöte, Cello und Geige, die von einem Klavier geführt werden. Einzelne Motive aus diesem “Quintett für Klavier und Ensemble”, für das Adler seinerzeit den ACUM-Preis erhalten hat, tauchen auch beim aktuellen Auftragswerk wieder auf: “Das neue Stück startet, wo das alte aufgehört hat. Es handelt sich um unterschiedliche Bausteine eines Gebäudes, an dem ich seit Jahren forsche”.

Manche dieser Bausteine stammen von seinen Vorbildern Béla Bartók und György Ligeti, aber auch von seinem Lehrer Mark Kopytman, bei dem Ayal Adler an der Rubin Akademie in Jerusalem studiert hat. Auf Kopytman gehen auch ein paar versteckte Reminiszenzen an jemenitische oder aschkenasische Folklore zurück, für die sich Adler schon als halbstarker  Komponist interessierte. “Meine Musik ist an der Oberfläche sehr abstrakt und besitzt keine jüdischen, israelischen oder anderweitig wiedererkennbaren Motive. Aber ich glaube, sie ist jüdisch an ihrer Innenseite. Ich wurde oft gefragt, was einen israelischen Komponisten ausmacht? Ich glaube: In Israel zu arbeiten, in Israel zu leben und all das dramatische Alltagsleben zu absorbieren - und auch all diese Verrücktheit.”

Nach Israel kehrte Ayal Adler nach einem Aufenthalt an der McGill University in Montreal zurück. Seither teilt er seine Arbeitszeit in sein Angestelltendasein an der Musikakademie und seinen Traumjob als Komponist ein. Eine Reihe von Werken hat er als Composer-in-Residence für das Ensemble Meitar geliefert, mit dem auch schon ein paar CDs entstanden sind.

Eine CD enthält das Stück “At the Gates of Darkness”, 2009 im “Haus der Wannseekonferenz” aufgeführt, jenem Ort, wo ein paar Jahrzehnte früher die “Endlösung der Judenfrage” besiegelt wurde. Das Stück wurde im letzten Jahr auch beim Intonations-Festival in Jerusalem aufgeführt, worüber der Kontakt zu Elena Bashkirova zustande kam. Diesem Zusammentreffen entsprang der Auftrag, ein Werk für Berlin zu komponieren. Ein Stück, dessen Farbe sich erst noch zeigen wird. Aber zumindest ahnt man schon, dass es Staub aufwirbeln wird.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/ausderjuedischenwelt/2079544/

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15719

 

 

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