Jonathan Scheiner Texte & Musik

28Aug/13Off

…auf der Suche nach Mauerseglern an der Klagemauer

88 Bruthöhlen von Mauerseglern gibt es in den Fugen der Klagemauer - heißt es. Als ich dort war: Kein einziger Vogel zu sehen. Das lag nicht am Schabbat, sondern an der Mittagshitze. Dafür gab's andere Sehenswürdigkeiten.......

14Aug/13Off

Virtuoser Budenzauber – Idan Raichels “Quarter to Six”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit seiner letzten CD “The Tel Aviv Session”, einer Kollaboration Idan Raichels mit dem Sänger Vieux Farka Touré aus Mali, hat der Israeli unterstrichen, dass ihm Multikulti nicht als verkaufsfördernder Beigeschmack seiner Soft-Popnummer dient, sondern dass er die Zusammenarbeit mit Musikern aus aller Herren Länder ganz ernst nimmt. Und das meint: gleichberechtigtes Musizieren statt gönnerhaft-postkolonialem Zugriff auf “exotischen Klangzauber”.
Das gilt auch für die 16 Titel seiner neuen CD “Quarter to Six”. Bei der besinnlichen Auftaktnummer “Yored Ha’Erev” taucht neben Gesang und akustischer Gitarre ein zärtliches Streicherensemble auf. Bei “Achshav Karov” umschwirrt eine mediterrane Ney-Flöte den melancholischen Gesang Idan Raichels. Und bei “Rak Oto” und “Sabe Deus” werden Duette mit der Israelin Anat Ben Hamo oder der portugiesischen Fadosängerin Ana Moura zelebriert. Die Liste an unterschiedlichen Musikern, die zum Tanz gebeten werden, läßt sich scheinbar beliebig fortsetzen: Amos Hoffmann (Oud), Tamar Halperin (Piano), Itamar Doari (Percussion) oder Hilla Epstein (Cello), um nur einige zu nennen. Dass es in Idan Raichels Spiel um Erweiterung und Multiplizierung seiner eigenen Musikalität scheinbar keine Tabus gibt, zeigt sich spätestens bei „Ana Ana wa Enta Enta“, das arabisch gesungen wird oder beim Song „In Stiller Nacht“, einer Kollaboration Idan Raichels mit dem deutschen Countertenor Andreas Scholl, der Friedrich von Spees barockes Lied in gewohnt meisterhafter Manier singt. Deutsch zu singen, ein Tabu? Nicht für den Israeli Raichel, dessen Großmutter vom Berliner Alexanderplatz stammt.
Natürlich gibt es unter den 16 Songs auch schwächere Nummern. Doch mal ganz abgesehen vom virtuosen Multikulti-Budenzauber, den Idan Raichel zuweilen abfackelt, zeigt sich auf dem Album eine kompositorische Klasse, die den Musiker in eine Reihe mit den großen israelischen Songschreibern stellt. Ob jedoch Idan Raichel eine Nachhaltigkeit wie Arik Einstein, Shalom Hanoch oder Matti Caspi erreicht, ob er Songs schreibt, die in Israel jedermann „aus tiefster Seele“ mitsingen kann, das wird die Zeit zeigen. Vielleicht hat Idan Raichel ja nicht nur den richtigen Ton getroffen, sondern auch den Nerv seiner Heimat Israel. Die Chancen dafür stehen gut!

 

 

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