Jonathan Scheiner Texte & Musik

24Feb/15Off

Furchtlos am Freitag – Das Omer Klein-Trio auf dem Zenith

Auf den ersten Blick ist bei “Fearless Friday” alles beim Alten. Und das ist schon mal die beste Nachricht vorab, denn das meint, man hört das Omer Klein-Trio ein weiteres Mal auf dem Zenith seines Könnens. Das Zusammenspiel zwischen dem 1982 in Netanya geborenen Pianisten und seinen beiden Mitmusikern Haggai Cohen-Milo am Bass und Amir Bresler am Schlagzeug ist vom allerfeinsten. Kleins Eigenkompositionen balancieren zwischen genretypischer Improvisation und eingängiger Sing- und Tanzbarkeit, zu der zwar viele israelische Jazzer neigen, die aber in dieser Klasse selten zu hören ist.
Neu hingegen sind zwei Aspekte: Zum einen wurde die CD erstmals in Omer Kleins Wahlheimat Deutschland eingespielt (der Pianist lebt seit Jahren in der Jazz-Provinzhauptstadt Düsseldorf). Zum anderen ist erstmalig anstelle von Ziv Ravitz ein neuer Schlagzeuger mit von der Partie. “Wenn du in einem Trio einen Mann ersetzt, dann ändert sich alles. Mit Amir Bresler zu spielen hat nicht nur meine Art zu spielen, sondern auch zu komponieren verändert. Die ganze Stimmung der Songs hat sich verändert”, sagt Omer Klein. Der beste Beweis sind die beiden schon älteren Songs “Yemen” und “Niggun”, die es absolut wert waren, erneut aufgenommen zu werden.
Der Song “Dimensions” hingegen verweist auf Kleins vielseitiges Interesse als Musiker, denn dabei handelt es sich zugleich um den Titelsong eines aktuellen Theaterprojekts, für das der Pianist die Musik geschrieben hat. Weniger Glück war Kleins “Song of Songs”-Projekt beschieden. Das Hohelied (Shir Hashirim) wurde zwar schon mehrmals in Israel aufgeführt, hat es aber bislang noch nicht auf Platte geschafft. Sich die Wartezeit mit dem Trio, das derzeit auf Tour ist, zu versüßen, ist jedoch eine prima Alternative!
Omer Klein-Trio: Fearless Friday. Neuklang 2015/Edel
Konzert-Termine unter: www.omerklein.com/concerts

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9Feb/15Off

Dreamteam aus Israel – Irit Dekel & Eldad Zitrin

So hat man die "Good Old Songs" von Billie Holiday, Carmen McRae and Barbra Streisand noch nie gehört: "Bye Bye Love", "Your My Thrill", "Get Happy"..."Good Morning Heartache" - schlicht und ergreifend: der Hammer! Irit Dekel singt, Eldad Zitrit spielt ein paar Instrumente dazu. Mehr braucht es nicht, um die guten alten Standard-Songs wie Neuware strahlen zu lassen. Und als Sahnehäubchen oben drauf gibt's noch arabische Violine, Kamanche oder Perkussions von Itamar Doari. Hach!! No more Blues!! © www.stephanpramme.de

 

www.lastofsongs.com


 

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/22249/highlight/Eldad&Zitrin

BESSER ALS DAS ORIGINAL

Irit Dekel und Eldad Zitrin über ihr Cover-Album, die erste große Deutschlandtournee und typisch israelischen Sound

Wie ist euer Projekt Last of Songs entstanden?

Irit: Ich hatte die Idee, Jazz-Standards, also die guten alten Hits des American Songbook, neu zu interpretieren. Ich suchte dafür einen Produzenten und so haben wir uns kennengelernt. Es gab sofort eine direkte und unmittelbare Verbindung zwischen uns.

Eldad: Na ja, zuerst habe ich gar nicht begriffen, was sie von mir will. Es gibt ja schon Millionen von Versionen dieser alten Hits. Zuerst haben wir Songs aus den 20ern und 30ern, dann die der 60er und 70er probiert, bis wir gemerkt haben, dass wir eigentlich an einem Tribut an das American Jazzsongbook arbeiten: „Bye Bye Love“, „Get Happy“ oder „Good Morning Heartache“ haben schließlich die meisten schon mal gehört. Man kennt die Songs von Ray Charles, Bette Midler oder Barbra Streisand.

Wobei Eure Songs ja nicht nach Jazzstandards, sondern eher nach Pop klingen. Man erkennt die Good Old Songs erst beim zweiten Hinhören...

Eldad: Das liegt an meiner Herangehensweise. Wenn du Remakes von Songs machst, dann muss dir klar sein, dass es ja schon tonnenweise Versionen davon gibt. Ich habe das Irit gleich zu Anfang gesagt: Wenn wir nicht besser als das Original sind, und wenn wir es nicht schaffen, dass die Songs völlig neu klingen, dann sollten wir es nicht tun. Dann lass es einfach sein!

Wie habt ihr angefangen, die alten Songs zu bearbeiten?

Irit: Anfangs hatten wir nur Entwürfe, nur das Gerüst der Songs, hauptsächlich mit Gesang und Klavier sowie die Grundzüge der Arrangements.

Eldad: Am Anfang haben wir uns erstmal nur getroffen und haben geredet.

Irit: Er war etwas skeptisch.

Eldad: Stimmt, doch beim zweiten Treffen haben wir uns entschieden, einen Song wenigstens mal zu spielen, um zu sehen, was passiert. Das war „Bues in the Night“. So wie wir ihn damals gespielt haben, ist er nun auch auf der Platte zu hören. Das war tatsächlich blindes Verständnis von Anfang an.

Eldad, Sie sind eigentlich Jazz-Saxophonist, doch dieses Instrument ist auf dem Album nirgends zu hören. Wie kam das?

Eldad: Wir haben das während der Aufnahmen versucht, aber es hat nicht funktioniert. Das Saxophon repräsentiert Jazz, aber das ganze Album dreht sich darum, dass es eben nicht nach Jazz klingen soll. Diese Songs sind ja schon tausendmal mit dem Saxophon gedudelt worden. Statt dessen haben wir die türkische Klarinette eingebaut, die Duduk. Und das Kanun, eine orientalische Kastenzither.

Und dann gibt es ja noch die Alaev-Family, eine jüdische Großfamilie aus Buchara, von denen jeder ein exotisches Instrument spielt...

Eldad: Das kam, weil ich in der Band von Rita spielte, deren musikalischer Arrangeur ich war. Rita ist in Israel ein Star, die auf Farsi singt. Vor ein paar Jahren habe ich ein Album und eine Tour mit ihr gemacht, bei der auch zwei Alaev-Familienmitglieder mit von der Partie waren. So habe ich die Familie kennengelernt. Als wir an unserem Album gearbeitet haben, ist uns bald klar geworden, dass wir sie mit dabei haben sollten. Wir hatten einen großartigen Tag im Studio.

Würden sie die Musik auf ihrem Debüt-Album „Last of Songs“ als typisch israelische Musik beschreiben?

Irit: Ich ja!

Eldad: Ich nicht!

Was denn nun?

Irit: Der Oud ist typisch für den Mittleren Osten, aber er ist genauso wenig wie die Kamanche, die iranische Stachelgeige, ein israelisches Instrument. Ich denke, Israel ist ein Mix. Unsere Kultur ist eine Mischung. Und so ist auch unsere Musik ein Mischung aus vielem.

So wie sie selbst?

Irit: Meine Eltern sind Immigranten aus der Ukraine. Wegen meines Aussehens und weil keiner meinen Vater kannte, habe ich immer behauptet, dass ich aus Spanien komme. Alle haben mir das abgekauft. Zumal mein Familienname nicht ukrainisch klingt. Mein Nachname Dekel bedeutet eigentlich Dattelpalme. Ursprünglich war das „Dichtel“, wobei ich nicht weiß, wie man das aschkenasisch korrekt ausspricht.

Sind Sie auch eine Mischung?

Eldad: Ich bin halb griechisch und halb polnisch.

Irit: Gleich sagt er sicher wieder, dass er mehr griechisch als polnisch ist, wetten?

Eldad: Meine Großaltern kamen ursprünglich aus Griechenland und haben den Holocaust in Italien überlebt. Dort wurde meine Mutter geboren. Mein Vater ist in Israel geboren, aber seine Eltern kamen aus Polen.

...wie die israelische Sängerin Chava Alberstein, eines Ihrer Vorbilder?

Irit: Sie hat mich sehr beeinflusst. Es gibt unglaubliche 50 Alben von ihr, wobei die schönsten Songs jene sind, die andere für sie geschrieben haben. Sie hat eine großartige Bühnenpräsenz. Sie ist sehr authentisch und sehr polnisch....

Was soll das denn heißen?

Irit: Na, sie ist „old school“. Nicht so eine Diva. Sie ist das Gegenteil von einer Diva.

Eldad: Ich arbeite mit einer Diva. Ich kann ein Lied davon singen, was das ist, eine Diva... (hahaha)

Und welche musikalischen Vorbilder haben Sie?

Eldad: Yoni Rechter hatte großen Einfluss auf mich. Und Shlomo Gronich, Arik Einstein oder Shlomo Artzi. Rami Kleinstein habe ich mit 16/17 viel gehört, genauso wie Sting. Ein wenig von allen. Ich glaube, alles was ein Musiker hört, beeinflusst ihn irgendwie. Ich habe als klassischer Pianist angefangen und bin dann die Welt des Jazz vorgedrungen. Doch gearbeitet habe ich eher auf der Pop-Seite, indem ich für Musiker wie Idan Raichel Songs arrangiert und produziert habe. Das alles ergibt den Mix, den ich heutzutage versuche zu tun.

Wobei man ja als reiner Jazzmusiker in Israel ohenhin nicht über die Runden kommt?

Eldad: Wenn du in Israel als Musiker überleben willst, dann musst du vielerlei Musik spielen, nicht nur Jazz. Das beeinflusst den Stil der israelischen Musiker und macht sie am Ende auch so gut.

Irit: Wir haben echt mieses Fernsehen in Israel, aber super Musik...

Sie müssen ja wissen, wovon sie reden, sie kommen schließlich vom Schauspiel?

Ich habe ein Schauspiel-Ausbildung an der renommierten Beit Zvi in Ramat Gan erhalten. Doch es ist nicht so, dass ich eine Schauspielerin war, die zur Musik gekommen ist. Ich habe schon als Kind Keyboards und Flöte gelernt, war im Chor. Musik habe ich mir in Privatstunden beigebracht. Das war das beste für mich.

Und die Schauspielerei haben Sie aufgegeben?

Irit: Nein, ich spiele in „Eifo Ata Hai”, einer neuen TV-Serie auf Channel 1.

Eldad: Für die ich die Musik geschrieben habe...

Irit: ...und wir auch den Titelsong gespielt haben.

 

Info:

Irit Dekel wurde in Haifa geboren und lebt heute in Tel Aviv. Sie hat Schauspiel an der Beit Zvi-Schauspielschule in Ramat Gan studiert. Als Musikerin hat sie in der Band „Boana A’banot“ gesungen. In Tel Aviv lebt auch der 1980 geborene Eldad Zitrin. Der Multiinstrumentalist hat an der renommierten Thelma Yellin Highschool in Givatayim studiert. Als Klavier-Wunderkind kam er erst spät zum Jazz und hat sich seine musikalischen Sporen als musikalischer Begleiter von Rita, Idan Raichel und Dudu Tassa verdient. Ihr Debüt-Album „Last of Songs“ ist bislang nur als Download erhältlich und wird zur Deutschlandtour auch als CD vorliegen. Die Band spielt am 19.5. in Mainz und am 20.5. in Karlsruhe. Anfang Juni folgen dann Bremen (3.6.), Kiel (4.6.), Flensburg (5.6.) und Lübeck (6.6.). Alle Infos unter: www.lastofsongs.com.

 

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