Jonathan Scheiner Texte & Musik

17Sep/15Off

Vom Jet-Setter zum Junkie – der Komponist Lionel Bart

Ein „Filmriss“ hat Lionel Bart ganze 15 Jahre seines Lebens gekostet. Alkohol und jede Menge anderer Drogen waren nichts Besonderes zu seiner Zeit. Im London der Swinging Sixties war das ganz groß in Mode. Jeder, der auf sich hielt, war high.

Vor seinem Absturz war Lionel Bart der triumphale Einzug in Englands Musik-Olymp gelungen. Er schrieb Hits wie „From Russia with Love“ für den gleichnamigen Bond-Film oder „Living Doll“ für Cliff Richards. Daneben entstanden Musicals wie „Oliver!“, die zum Besten zählten, was die Londoner Westend-Bühnen zu bieten hatten. Fotografien aus der Zeit zeigen Lionel Bart an der Seite von Mick Jagger oder John Lennon – mit Koteletten so püschelig wie ein Fuchsschwanz. Sein sündhaft teurer Sportwagen war mit dem neuesten Sprechfunk ausgestattet und neben der XXL-Badewanne stand das Telefon nicht still. Schon morgens wurde Champagner serviert. Es wird gemunkelt, für seine Partygäste stand immer eine Schale mit Geldscheinen und eine mit Schnee bereit. Eine Steilvorlage für jeden Biografen.

Das gilt auch für Caroline und David Stafford, die sich Lionel Bart in Form von Zeitzeugen genähert haben. Aus ihrer Biografie „Fings Ain't Wot They Used T'Be“ hat der Regisseur Mick Conefrey im Jahr 2013 den 60-Minüter „Reviewing the Situation“ gemacht. Der Film setzt bei der Kindheit Lionel Barts ein, der am 1. August 1930 als Lionel Begleiter als siebtes Kind von Galizischen Juden im Londoner Eastend geboren wurde. Der Einstieg in Musikgeschäft gelang Bart mit Hits für Tommy Steel & The Steelman. Doch während die meisten dieser Cockney-Rocksongs heute im Plattenschrank verstauben, sind ein paar von Barts Musicals noch immer in aller Munde. Allen voran „Oliver!“, das ab 1960 satte 2618 Mal aufgeführt wurde, bevor es dann jahrelang am Broadway gespielt wurde: „Oliver!“ ist das erfolgreichste englische Musical aller Zeiten.

Seinen Schöpfer haben viele über die Jahre vergessen. Und das nicht ganz zufällig: Schon Barts nächstes Musical „Twang“ war ein totaler Flop, in den Bart dummerweise auch noch all sein Geld gesteckt hatte. Auch Musicals wie „Blitz“, „Maggie May“ oder „La Strada“ hatten nur mäßig Erfolg. Es folgte eben jener Absturz, den Bart selbst als „Filmriss“ bezeichnet hat. Als Bart Jahrzehnte später wieder auf die Beine kam, hatte er Diabetes und eine fortgeschrittene Leberzirrhose. Die Stücke, die er dann noch bis zu seinem Tod 1999 fabrizierte, konnten nicht an die Erfolge von einst anknüpfen.

Dem Jet-Setter Lionel Bart steht eine Privatperson gegenüber, die einmal als “homosexual Jewish junkie commie” bezeichnet wurde. Tatsächlich ist über diese Person wenig bekannt. Weder darüber, dass seine damals noch strafbare Homosexualität durch angebliche Äffären mit Judy Garland oder Alma Cogan kaschiert wurde. Noch darüber, dass er antisemitisch angefeindet wurde. Auch zu seiner kommunistischen Vergangenheit gibt es kaum was zu sagen. Was in Erinnerung bleibt ist ein musikalisches Genie, das stilecht als Junkie endete.

http://www.jffb.de/filme/lionel-bart-reviewing-the-situation/

 

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2Sep/15Off

No voice, no interview – Matisyahu

...beim letzten Mal hat er mir wenigstens noch ins Mikrofon geflüstert. Aber dieses Mal hieß es erst, er gibt gar kein Interview, dann hieß es plötzlich, vielleicht doch noch ein kurzes -  aber wenn, dann nur gemeinsam mit fünf anderen Journalisten. Am Ende war dann doch alles heiße Luft und falscher Alarm, wegen Verspannung des Künstlers. Als Sahnehäubchen gab's ein kraftloses Konzert.

Kein Interview - keine Stimme: Matisyahu wird doch keine Diva werden?


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