Jonathan Scheiner Texte & Musik

30Okt/15Off

Lena Mucha – “Paparazza“

Ins Auge des Betrachters:  Lena Mucha knipst J.S.

Ins Auge des Betrachters: Lena Mucha knipst J.S.

Barcelona - Berlin - Bogota: Die Fotografin Lena Mucha ist viel unterwegs. Sie macht Bilder von kolumbianischen Straßenhändlern oder fotografiert die kunstvollen Frisuren von jungen spanischen Roma-Frauen. Bei einem Zwischenstopp ist noch Zeit für ein Bewerbungsfoto von einem knitterigen Journalisten auf Arbeitssuche. Bringt Geld und bringt viel Spaß! Aber ihr Herz hängt hier: 
www.lenamucha.com
Mucho gusto!
Mucha Paparazza!! (so sagt man doch auf Malle?)
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15Okt/15Off

Der Scherz der Welt – Ohad Ben-Ari und sein ID-Festival in Berlin

Ohad Ben-Ari

Die Schätzungen, wie viele Israelis in Berlin leben, gehen auseinander. Es sind wohl zehntausende. Dazu kommen die vielen israelischen Touristen, die sich die Augen reiben, wie sehr Deutschland dem Image widerspricht, mit dem sie sozialisiert wurden. Höchste Zeit also, eine Veranstaltung wie das ID-Festival ins Leben zu rufen, um Bilanz zu ziehen, warum ausgerechnet unter Israelis ein so großer Berlin-Hype entstanden ist. Das Festival, das vom 16.10.–18.10. im Berliner Radialsystem stattfindet, präsentiert nicht nur ein hochkaratiges Musikprogramm, sondern auch Tanzstücke, Kabarett, Ausstellungen, Filme und Diskussionen. Gemeinsam wird dem Status Quo der deutsch-israelischen Identität auf den Zahn gefühlt.
Entstanden ist die Idee, als der Pianist und Festivalleiter Ohad Ben-Ari mit seinem Freund Guy Braunstein, dem Star-Geiger und ehemaligen Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, durch die dortige Kantine ging. Ben-Ari war fassungslos, wieviele Musiker aus Israel er wiedererkannte. „Ich wollte mit all diesen Israelis ein gutes Orchester gründen. Das war meine urspüngliche Phantasie. Und ich hatte Glück: Alle machen nun mit, nicht nur die Crème aus Berlin, sondern aus ganz Deutschland“. Am Ende ist aus der Idee ein Festival entstanden, das mit über einhundert Künstlern aufwarten kann.
Ben-Ari hat den deutsch-israelischen Identitäts-Wandel selbst miterlebt. In den Neunzigerjahren hat er vier Jahre in Frankfurt studiert, aber das sei noch eine völlig andere Zeit gewesen. „Wer in Deutschland studierte, musste sich rechtfertigen. Kein Wunder. Sogar ein Fernseher aus Deutschland wurde in den Sechzigerjahren noch mit Skepsis beäugt“.
Nicht nur die Menge an Israelis in Deutschland hat sich verändert, sondern auch deren Einstellung gegenüber ihrer neuen Heimat. Der Grund für den Zuzug junger Israelis in den letzten Jahren liegt nicht nur in finanziellen Vorteilen oder den vergleichsweise geringen Lebenshaltungskosten hierzulande. „Künstler verdienen in Israel sehr wenig Geld. In Deutschland dagegen kann man von Kunst leben – einer der wenigen Orte auf der Welt. Berlin war bis in die Dreißigerjahre eine Kulturhauptstadt. Das ist sie wieder. Heute ist die Stadt genauso wichtig wie London, Paris und New York. Insbesondere für klassische Musiker gibt es die Verbindung mit der deutschen Kultur und den deutschen Komponisten“. Das spiegelt sich auch im Programm des Festivals, bei dem es nicht etwa israelische, sondern vor allem deutsche Komponisten zu hören gibt. „Wenn es politische korrekt wäre, dann würden wir sogar Wagner spielen“, scherzt Ben-Ari.
Dieser Sinneswandel ist vor allem in den letzten zehn Jahren zu verzeichnen. Wagner gilt zwar noch immer als politisch inkorrekt, aber er ist längst kein Tabu mehr, erst recht nicht unter jungen Musikern aus Israel wie Ben-Ari: „Wir sind alle mit der Shoah groß geworden. Doch wenn ich als Kind an Deutschland gedacht habe, dann dachte ich nicht an „Nazis“, sondern an die Texte von Wagner-Opern, an die „Salome“ von Richard Strauss oder die „Winterreise“ von Schubert. Denn ich bin als Musiker aufgewachsen. Als Kind wusste ich nicht, dass meine aus der Ukraine und Galizien stammende Familie – zumindest größtenteils – den Holocaust überlebt hat. Darüber sprach man nicht. Meine ältere Schwester Miri hat einen Familienstammbaum gemacht und deshalb wusste sie das. Ich nicht“.
Um Geschichtsvergessenheit oder finanziellen Opportunismus handelt es sich nicht, wenn Deutschland so positiv gesehen wird. Vielmehr hat sich Deutschland gewandelt, weil es sich vom Land der Täter zum weltoffenen Staat gemausert hat, das sich seiner finsteren Vergangenheit stellt. Dagegen wird Israel von der jungen Generation, bei aller Heimatliebe, nicht mehr nur durch die rosarote Brille gesehen. „Israel ist problematisch heutzutage und zwar in ideologisch-moralischer Hinsicht. Ich bin in den Siebzigerjahren geboren, da waren die Gebiete schon besetzt. Man wuchs so auf, das war ganz normal. Doch inzwischen, von außen betrachtet, sieht man die aktuelle Situation anders. Es gibt kein Weiß und kein Schwarz mehr. Nach 50 Jahren Besatzung kann ich erkennen, welch’ schlechten Einfluss die Besatzung auf das israelische Volk hat. Dagegen wirken ausgerechnet die Deutschen liberal und weltoffen. Viele Israelis tun sich noch immer schwer, das einzugestehen. Das ist der Scherz der Welt“.
Dazu passt der Untertitel des ID-Festivals „Auf der Suche nach neuen Traditionen deutsch-israelischer Identität“. Mal sehen, wie die Erfolgsgeschichte weitergeht, die der Zuzug von jungen israelischen Künstlern ausgelöst hat. Der Status Quo sieht schon ganz rosig aus. 
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/23550/highlight/Jonathan&Scheiner

 

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15Okt/15Off

Iris Berbens Sentimental Journey durch Jerusalem

 

Iris Berben und Abi Ofarim

Jugendsünden: Iris Berben und Abi Ofarim

Noch heute gibt es Deutsche, die am liebsten einen Schlusstrich ziehen würden. Andere Nachgeborene stellen sich ihrer historischen Verantwortung und empfinden günstigstenfalls Scham. So auch Iris Berben. Die Schauspielerin gehört zur jener Generation, die die Suppe auslöffeln, die ihre Eltern angerichtet haben – wobei hier nicht von Kürbiscremesuppe die Rede ist. Es geht um die Ermordung von sechs Millionen Juden.

Iris Berben hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Jerusalem“. Sie beginnt mit der Beschreibung, wie sie als Siebzehnjährige einen Mühlstein auf ihren Schultern trug, als sie 1968 das erste Mal Israel besuchte: „Ich war fassungslos über die Taten der deutschen Dämonen, trug ein schweres Paket voller Geschichte, das mich tief beschämte. Ich erlebte zum ersten Mal, was Scham in ihrem dunklen Sinne ist: Unsere Elterngeneration hatte in einem unvorstellbaren Maß unehrenhaft, unanständig, verbrecherisch gehandelt. Ich verstand, dass viele der Überlebenden nicht mit jemandem sprechen wollten, der aus dem Land der Täter kam: Meine Mutter hätte eine KZ-Aufseherin gewesen sein können, mein Vater ein SS-Büttel”.

Sowas könnte ja jeder schreiben, der sich mit einem Buch der Haupstadt Israels annähern will – quasi als Entre-Billet, um Glaubwürdigkeit vorzugaukeln. Doch Iris Berben dringt noch tiefer ein in das Geflecht aus Schuld und Scham. Hier geht es nicht um das berühmte “Fremdschämen”. Hier wird die Schuld der Eltern wie die eigene empfunden: “Irgendwann kam ich in ein langes, intimes Gespräch mit einer Jüdin, um die siebzig mag sie damals gewesen sein ... Sie ließ sich Zeit für das Mädchen, sie erzählte und erzählte von dem, was ihr widerfahren war. Geduldig beantwortete sie jede meiner ungläubigen Fragen – und sie, die gequälte und gebrandmarkte Jüdin, die durch uns Deutsche so viel durchlitten hatte, nahm mich in die Arme und trocknete meine Tränen der Scham“.

Das ist kein billiger Schauspielertrick. So viel “Cojones”, so viel “Traute”, haben wenige Deutsche, die versuchen, Auschwitz in die Augen schauen. Iris Berben empfindet es noch heute als „Glück“, dass sie damals gelernt hat, mit ihrer Schuld und ihrer Scham zu leben.

Erst vor diesem Hintergrund – einem sehr intimen Durchschreiten der Stadttore Jerusalems – gelingt es Iris Berben, die Leser für ihre Sentimental Journey zu begeistern: ihr Staunen über die Schnipsel in den Fugen der Kotel oder über die geschichtsträchtigen Schründe und Risse im gelblich-weiß schimmernden Melekeh-Stein, aus dem die Stadt erbaut wurde. Iris Berben ist eine ebenso glaubwürdige wie empfindsame Reiseleiterin, der man gerne folgt.

Iris BerbenGefühlsduselig sind ihre Beschreibungen nicht. Sie leidet nicht, wie viele Besucher, die die goldene Stadt zum ersten Mal sehen, unter dem Jerusalem-Syndrom, jener den Geist in Mitleidenschaft ziehenden Erkrankung, die die Urteilsfähigkeit herabsetzt. Jersualem ist und war nicht nur das religiöse Zentrum für Juden, Muslime und Christen, sondern auch der Hotspot für Konflikte zwischen den Religionen. Auch wenn Iris Berben ideologische Klippen umschifft und versucht, sich auf keine Seite zu schlagen, so entführt sie uns doch in die jüdische Welt. Über die Jahre sei eine „tiefe Verbundenheit“ entstanden, mit „dem Land und der Stadt, den Menschen, ihrer Kultur“. Diese Verbundenheit ist echt. Und preisverdächtig: Keine Auszeichnung und kein Verdienstkreuz, das sie in den letzten Jahren nicht verliehen bekam. Iris Berben wird dafür geehrt, dass sie die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen vorantreibt. Scham hat ihr dabei die richtige Richtung gewiesen.

Iris Berben/Tom Krausz: Jerusalem. Menschen und Geschichten einer wundersamen Stadt. Corso Verlag, Wiesbaden 2015

. 128 S., 28.- Euro 

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/23531/highlight/Jonathan&Scheiner

 

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7Okt/15Off

Sinan Ayyıldız beim Festival der Mandoline in Berlin

Sinan Ayyıldız

...eigentlich wollte ich nur mal wieder den Mandoline-Spieler Avi Avital hören, wie er mit dem "Feuerfinger" Itamar Doari und der wunderbaren Ksenija Sidorova spielt. Doch vorher gab's ein paar "Giantsteps" vom türkischen Baglama-Spieler Sinan Ayyıldız. Nie gehört? Höchste Zeit! Dieser Mann – eine Kombination von atemberaubender Virtuosität und höchster Empfindsamkeit, eine großartige Verschmelzung von türkischer, kurdischer und arabischen Volksmusik mit westlichem Jazz. Hören und staunen unter: http://sinanayyildiz.com/en/

Between Worlds

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