Jonathan Scheiner Texte & Musik

30Nov/16Off

Unter Geiern – wie Schimon Peres seinen Namen fand

Mann mit Vogel: Shimon Peres im Hula-Tal, dem Überwinterungsplatz unserer Kraniche

Mann mit Vogel: Shimon Peres im Hula-Tal, dem Überwinterungsort "unserer" Kraniche

Zu seinem späteren Namen ist Schimon Peres eher durch Zufall gekommen. Geboren in Polen war sein Name ursprünglich Perski. So hieß übrigens auch seine Cousine. Sie sollte an der Seite von Humphrey Bogart Hollywood-Geschichte schreiben- als Lauren Bacall. Und aus Schimon Perski wurde später Schimon Peres, als Friedensnobel-Preisträger und Staatspräsident von Israel ebenfalls weltberühmt. Das kam so: Auf "Erkundungstour", getarnt als ornithologische Feldforschung in der Negev-Wüste im Britischen Protektoratsgebiet Palästina, zog plötzlich ein Lämmergeier knapp über den Köpfen des Erkundungstrupps. Einer schrie: "Peres, Peres", das hebräische Wort für Geier. Später dann – als die Geierpopulation noch nicht durch DDT und Blei vernichtet war, als die Engländer als Protektoratsmacht von Palästina vertrieben und der Staat Israel gegründet wurde – war klar, zu welchem hebräischen Namen der Hagana-Kämpfer Schimon Perski greifen würde....so jedenfalls berichtet es der wunderbare israelische Vogelkundler Yossi Leshem. Und der muss es ja wissen. Denn er hat schließlich nicht nur einen Vogel....

 

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7Nov/16Off

Opa-Jazz und die Musik von Frauen – Hinhören beim JazzFest Berlin

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Die Saxophonistin Mette Henriette

Während die einen noch immer über die Männerdominanz im Jazz schwadronieren, stehen Frauen längst auf der Bühne und spielen, was das Zeug hält. Dass den Zuhörern Augen und Ohren überlaufen. Beim diesjährigen JazzFest Berlin wurde das Glück der Gleichberechtigung der Geschlechter zumindest musikalisch eingelöst. Und noch viel mehr: Männlein wie Weiblein kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, wie Mette Henriette die liegengelassenen Fäden ihrer skandinavischen Ahnen (Jan Garbarek, Terje Rypdal) wiederaufnahm und wundersam miteinander verknüpfte. Wie das verspielte Julia Hülsmann-Trio zwei Bläser integrierte, mühelos und wunderschön zugleich. Oder wie die beiden Deutschen Florian Weber und Angelika Niescier neben drei alten Haudegen aus New York bestachen. Wie beim Big Band-Konzert von Nik Bärtsch der grandiose Bassist Björn Meyer zum Dreh- und Angelpunkt wurde. Und wie weit angesichts von solcher Schönheit die Meinungen über die einzelnen Konzerte dann doch auseinandergingen. Viel Diskussionsstoff – wo immer man hinhörte. Auch beim Altmeister Jack DeJohnette, der sich mit Matt Garrison und Ravi Coltrane im 3. Jahrtausend duellierte. So jung und knackfrisch klingt: „Opa-Jazz“ von Frauen!

Die Pianistin Julia Hülsmann

Die Pianistin Julia Hülsmann

Beide Fotos: © Camille Blake

 

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