Jonathan Scheiner Texte & Musik

22Dez/14Off

Essad Bey auf den Fersen

© Oleg Farynyuk, www.slow-photography-berlin.com/

Die Figur des Essad Bey wird von Legenden umhüllt wie vom Rauch einer orientalischen Opiumpfeife. Nur ein paar Eckdaten gelten als gesichert: Geboren wurde der Schriftsteller als Lew Abramowitsch Nussimbaum im Jahr 1905 in Baku. Doch schon die Frage nach seiner Nationalität ist schwierig zu beantworten. Essad Bey gilt als aserbeidschanischer Patriot – unter anderem. Denn zugleich war Essad Bey (oder auch Kurban Said oder  Mohammed Essad-Bey) ein vor der Nazis geflohener Jude, der kurioserweise ein Sympatisant Benito Mussolinis war. Heutzutage bekannt ist dieser sagenumwobene Mann höchstens noch jenen Menschen, die zufällig eines seiner zahllosen Bücher in die Finger bekommen haben.

Das gilt auch für den Musiker Yuriy Gurzhy, gemeinhin bekannt als Gründer der „Russendisko“. In einem Zürcher Antiquaritat ist ihm eine englische Ausgabe der Biografie „Der Orientalist“ in die Hände gefallen. Fortan hat die schillernde Figur Essad Beys die Phantasie des Musikers beflügelt. In kurzer Zeit waren ein paar Songs komponiert und das Maxim Gorki-Theater in Berlin als Aufführungsort für eine musikalische Nummernrevue ins Boots geholt. Als dann noch der Musiker Daniel Kahn als Kompanion gewonnen werden konnte, hatte sich ein Dreamteam formiert.

Die Premiere Ende September unter dem Titel „Wer war Essad Bey?“ war ein voller Erfolg. Nicht nur wegen des Aufeinandertreffens von zwei der kreativsten jüdischen Songschreibern dieser Zeit (Gurzhy/Kahn), sondern auch, weil der Rest dieses Abends überzeugte. Mit der Sängerin und Schauspielerin Marina Frenk wurde eine hinreißende „Rampensau“ ins Boot geholt, um mit ihr die Bühnentauglichkeit der Band „Essad Bey City Rollers“ zu testen. Und da sich Essad Bey auch nach dem Premierenabend in eine Rauchwolke aus Legenden hüllte, gibt es nun Teil 2, umrankt von georgischem Wein, neuen Songs und bis dato unbekannten Film- und Fotoaufnahmen. Ein orientalisch-jüdisches Fest für die Sinne!

Info: Who was Essad Bey? Konzert und Spurensuche mit Yuriy Gurzhy, Daniel Kahn, Marina Frenk. 18.12. 2014, 20.30 Uhr, Maxim Gorki-Theater, Studio R, Hinter dem Gießhaus 2

 

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