Jonathan Scheiner Texte & Musik

14Nov/11Off

Anoushka Shankar

Indischer Flamenco

 

Beim Gedanken an das Crossover von klassischer indischer Musik und Flamenco zuckt man schon beinahe reflexartig zusammen, ist man doch in der Vergangenheit überschüttet worden von fehlgeschlagenen Vermischungen wesensfremder Musikwelten. Doch keine Angst: Ausnahmsweise passt’s vorzüglich zusammen.  Auf Anoushka Shankars Album „Traveller“ machen indische Musiker mit spanischen Flamenco-Virtuosen gemeinsame Sache. Der Grund für das Gelingen: Die spanischen Gypsies (Gitanos), deren Hausmusik der Flamenco ist, wanderten einst aus dem indischen Pundjab nach West-Europa ein, ihre Musik mit im Gepäck. Flamenco hat also auch indische Wurzeln, die nur darauf warteten, bloßgelegt zu werden.

Gewagt hat das Crossover-Experiment die Sitar-Spielerin Anoushkar Shankar, ihres Zeichens Tochter des indischen Sitar-Meisters Ravi Shankar und Halbschwester der Jazz-Diva Norah Jones. Anoushka Shankar ist nicht nur eine begnadete Sitarspielerin, die mit ihrem Instrument in der klassischen indischen Musik ebenso brilliert wie im Flamenco-Idiom. Sie ist außerdem eine kluge Arrangeurin: Sie weiß, welche Musiker sie einladen muss, um ihre musikalische Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Bei ihrem letzten Album „Breathing Under Water“ war es Sting, der mitwirkte. Bei dem aktuellen Album „Traveller“ sind es der Flamenco-Produzent Javier Limón und die schwarze Flamenco-Sängerin Buika, die beide zu den besten ihres Fachs zählen. Entstanden ist ein wahnwitziges und zugleich herausragendes Album, das – auch das kann bei so viel Virtuosität nicht mehr verwundern – beim altehrwürdigen Klassik-Label Deutsche Grammophon erschienen ist.

 

 

Anoushka Shankar: Traveller. Deutsche Grammophon 2011.

 

 

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